Einsetzbarkeit und Kostenfaktor Hundesteuer etc.

Mit "bau einen Zaun und pack Hunde dazu" ist es nicht immer getan, manchmal gibts betriebliche, regionale, geologische, naturschutz- und baurechtliche Besonderheiten

Einsetzbarkeit und Kostenfaktor Hundesteuer etc.

Beitragvon VEKK » Mittwoch, 29. August 2018, 16:10:41

Meine individuellen Herdenschutzprobleme liegen einzig darin begründet, das ich als Hobbyhalter keinerlei Fördermittel für Zäune etc. bekomme. diese habe ich nun aus eigener Tasche soweit finanziert. Die Herdenschutzhunde wären ebenso vorhanden, 1 ner ist komplett fertig und einsetzbar und 2 noch in Ausbildung. Allerdings fängt es hier schon an, das ich sie nicht dauerhaft einsetzen kann, da es Beschwerden der umliegenden Anwohner bezüglich des Bellens gibt, sowie Touristen die an der Weide vorbeilaufen, sich beschweren, sie hätten Angst, " die Hunde können doch nicht einfach den ganzen Zaun mitlaufen und bellen, die sind ja gefährlich... sowas gehört verboten, kann man die nicht erziehen." ... Dazu kommt das Problem, das wir vollen Satz Hundesteuer zahlen müssen, es gibt keinerlei Vergünstigung etc. . das sind allein bei 3 Hunden schon knapp 500 Euro. Das nächste ist die Zertifizierung. Es gibt 2 Vereine die es offiziell anbieten, aber eben inoffiziell passiert garnichts. seit 1 jahr warte ich auf einen Termin, immer wieder nur vertröstet. Herdenschutz in Deutschland auf dieser Basis kann höchstens in abgelegenen Gebieten wie Brandenburg und Meckpomm. funktionieren. Sonst nicht. Und das bringt nichts, denn so macht man es den Beutegreifern wieder leicht, das sie lernen eben woanders zu speisen.
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Re: Einsetzbarkeit und Kostenfaktor Hundesteuer etc.

Beitragvon Wild-Bunch-Chris » Mittwoch, 29. August 2018, 21:34:01

VEKK hat geschrieben:Allerdings fängt es hier schon an, das ich sie nicht dauerhaft einsetzen kann, da es Beschwerden der umliegenden Anwohner bezüglich des Bellens gibt, sowie Touristen die an der Weide vorbeilaufen, sich beschweren, sie hätten Angst, " die Hunde können doch nicht einfach den ganzen Zaun mitlaufen und bellen, die sind ja gefährlich... sowas gehört verboten, kann man die nicht erziehen." ... . .


Diese Problematik dürfte wohl jeder kennen, der mit Herdenschutzhunden arbeitet.
Ich wüßte keinen, bei dem das ohne Probleme, ohne Beschwerden läuft.
Bei mir auch nicht. Ich kenne das auch und ja, es zerrt im Laufe der Zeit an den Nerven. Wenn man den Eindruck gewinnt, vllt. wenigstens bei der ansässigen Bevölkerung gut weitergekommen zu sein, hakelt es dennoch an immer wieder neuen Touris.

Die Frage ist, was man da machen kann.
Hast Du Info-Veranstaltungen für die Bevölkerung abgehalten?
Mal den Tourismus-Verband eingeladen, den ansässigen Wanderverein, die Presse dagehabt?
Das sind alles Dinge, die einem die Arbeit mit den Hunden ein wenig leichter machen können.
Es gibt leider nicht viel Aufklärungsliteratur über Herdenschutzhunde für die Bevölkerung. Auf der Seite der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe gibt es einen Comic zum Downloaden und auf Youtube findet man das Video von den Schweizern, Agridea "Richtiges Verhalten gegenüber Herdenschutzhunden", das aber Hunde auf Almweiden ohne Zaun zeigt.

Die Normal-Bevölkerung hinkt uns Tierhaltern in Sachen Wolf einfach hinterher, das ist normal. Da fehlt das Verständnis für präventiven (den einzig richtigen!) Herdenschutz völlig.
Vielen Menschen, übrigens auch Hundehaltern fehlt auch und vor allem das Verständnis für die Arbeitsweise von Herdenschutzhunden. Da fehlt es an offizieller Aufklärung - dazu das heutige Verständnis davon, wie Hunde zu sein haben: möglichst infantil, freundlich zu jedem und wenn ein Fremder den Hund an der Ampel von hinten anpatscht, darf der keinen Zucker machen. Ein bellender oder gar knurrender Hund ist für die meisten Menschen ein aggressiver Hund - sie nehmen nicht wahr, dass Beides lediglich Kommunikation ist.

Beschwerden sind erst einmal Beschwerden. Heißt, da passt einem was nicht. Das heisst nicht unbedingt, dass sich was ändern muss.
Hast Du mal eine Art "Bellprotokoll" geführt, um zu dokumentieren, wie oft Deine Hunde tatsächlich bellen?
Das kann manchmal ganz interessant sein und anderen den Wind aus den Segeln nehmen.



Dazu kommt das Problem, das wir vollen Satz Hundesteuer zahlen müssen, es gibt keinerlei Vergünstigung etc. . das sind allein bei 3 Hunden schon knapp 500 Euro


Hundesteuersatzungen sind Gemeindesache - das heisst, die Gemeinde kann diese Satzung auch ändern.
Schreib doch mal einen Antrag an die Gemeinde, mit der Bitte um Diskussion in der nächsten Gemeinderatsitzung, in dem Du auf die zunehmende Wolfsverbreitung hinweist, dass Du darum bittest in die Satzung aufzunehmen, dass Hunde, die zum Schutz einer Herde eingesetzt werden, steuerbefreit sind.
Hier ist mal eine Beispielsatzung aus einer Gemeinde in meinem Landkreis - in meiner Gemeinde ist das auch so:
http://www.bindlach.de/export/download.php?id=366
Auch den Gemeinderat/Bürgermeister kann man mal zu sich einladen - dort landen auch gern Beschwerdeanrufe und wenn die wissen, worum es geht, kann auch das sehr hilfreich sein.

Die Bevölkerung muss sich erst an die Hunde gewöhnen - das dauert und dauert und ist ein zähes Ringen.
Du bist damit nicht allein, man braucht ein dickes Fell.
Du tust das, was uns Tierhaltern vom Bundesumweltministerium und vom Bundeslandwirtschaftsministerium empfohlen wird.
Du machst alles richtig - halte durch.


Das nächste ist die Zertifizierung. Es gibt 2 Vereine die es offiziell anbieten, aber eben inoffiziell passiert garnichts. seit 1 jahr warte ich auf einen Termin, immer wieder nur vertröstet


Ja, das ist ärgerlich.
In welchem Bundesland bist Du denn?

LG, Chris
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